Eine Dokumentation vom Arbeitskreis Ortsgeschichte & Ahnenforschung
Die landschaftliche Ausgangssituation vor 1900
Der südliche Hang des Riesenbecker Berges war bis in das frühe 20. Jahrhundert weitgehend unbewaldet. Das Areal bestand aus nährstoffarmen, steinigen Böden, die überwiegend von Wacholderbeständen und niedrigwüchsigen Strauchformationen bedeckt waren. Die fehlende Bewaldung ermöglichte eine ungehinderte Sichtachse über das heute 950 Jahre alte Riesenbeck sowie in die münsterländische Tiefebene.

Bereits im 17. Jahrhundert entstand am Hang die vierte Kreuzwegstation – Kreuztragung Jesus – die den historischen Aufstieg zur später sogenannten „Schönen Aussicht“ markieren. Die Station dieses Kreuzwegs vor etwa 350 Jahren belegt eine frühe religiöse Nutzung des Geländes und verweist auf die Bedeutung des Berges am Karfreitag. Damit existierte schon vor der landschaftlichen und touristischen Erschließung eine gezielte Wegeführung, die den Hang funktional und symbolisch strukturierte.
Der Liekweg („Leiche“) war der traditionelle Totenweg der Bauerschaft Eslage. Über diesen Pfad wurden Verstorbene über viele Generationen hinweg zur St.-Kalixtus-Kirche in Riesenbeck gebracht – dem religiösen Mittelpunkt des Kirchspiels seit dem 12. Jahrhundert.
Der Weg diente der geordneten und würdevollen Prozession vom Hof zum Kirchhof. Viele Abschnitte sind bis heute in der Landschaft erkennbar und erinnern an die frühere Bestattungskultur der Region.

1908 – Die Namensgebung durch Mary Schindler
Im Herbst 1908 besuchte die aus Riesenbeck stammende Mary Schindler (geb. Oechtering 1842-1936) mit ihrem Mann ihre alte Heimat. Am Vorabend ihrer Rückreise äußerte sie den Wunsch, „noch einmal vom Berge aus meine liebe Heimat schauen“ zu wollen. Der Blick über die sonnige Münsterländer Ebene rührte sie so sehr, dass sie am Abend ein Schild mit der Aufschrift „Schöne Aussicht“ anbrachte. Dieser Name setzte sich rasch im Volksmund durch und wurde dauerhaft mit dem Ort verbunden.
1885-1924 – Der Verschönerungsverein und später der Heimatverein erkennt den Wert des Ortes
Als Gastwirt gründete Wilhelm Paul (1845-1920 um 1885 den Riesenbecker Verschönerungsverein und mit weiteren Heimatfreunden sorgte er dafür, Riesenbeck mit Bänken und Wanderwegen zu versorgen. Der Hermannsweg wurde bereits vor 1900 von Bergeshövede bis zur Grenze Ibbenbüren markiert. Mit der Gründung des Heimatvereins Riesenbeck im Jahr 1924, als Nachfolge für den Verschönerungsverein, begann die systematische Pflege des Aussichtspunktes. Eine erste Ruhebank wurde aufgestellt, da immer mehr Wanderer den Platz aufsuchten. Gleichzeitig zeigte sich, dass Regen und Witterung den Boden abtrugen und der Platz zu verfallen drohte.
1926 – Am Bergweg nach Gravenhorst wird die „Schöne Aussicht angelegt
Um den Aussichtspunkt dauerhaft zu sichern, errichtete der Heimatverein unter dem 1. Vorsitzenden Johannes Oechtering (1878-1953) und Riesenbecker Bürger eine Sperrmauer und eine turmartige Plattform aus Sandsteinquadern. Eine Urkunde, die am 10. Juni 1926 im Turm eingemauert wurde, dokumentiert den Bau. Am 18. Juni 1926 wurde die Anlage feierlich eingeweiht – begleitet von einem Feuerwerk. Das Gelände stellte Max Freiherr Heereman, Mitbegründer des Heimatvereins, zur Verfügung.
Die Architektur orientiert sich an einer mittelalterlichen Festung
- massive Sandsteinquader
- Zinnenartige Brüstung
- turmartiger Vorsprung mit Aussichtsfläche
Diese Gestaltung verlieh dem Ort seinen bis heute charakteristischen Ausdruck.
1945 – Zerstörung und Wiederaufbau
Während der Kampfhandlungen um Ostern 1945 wurde die Anlage schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde sie jedoch wiederhergestellt und blieb weiterhin ein beliebtes Ausflugsziel. Die Kriegsereignisse sind bis heute durch nahegelegene Kriegsgräberstätten dokumentiert.
1963/64 – Erschließung durch Treppenanlage
In den Jahren 1963/64 wurden 256 Stufen als Treppenaufstieg errichtet, um den Zugang vom Tal aus zu erleichtern. Damit wurde die „Schöne Aussicht“ stärker in das lokale Wegenetz eingebunden. Durch die Verlängerung der Wehrmauer des Plateaus zu beiden Seiten erweiterte sich die Aussichtsfläche erheblich. Im Zuge der Ausbaumaßnahmen erfolgte die Anlegung eines Parkplatzes am Fuße des Treppenaufganges.
1985-1987 Der Blick in das Münsterland
Die Stadt hat durch einen Grundstückstausch ein größeres Waldgebiet übernommen und das Gelände an der sogenannten „Schönen Aussicht“ wurden von den hochgewachsenen Kiefern wieder freigelegt. Dadurch wurde der Blick ins Münsterland wieder möglich.
1988 – Orientierungstafel
Um Besuchern die Orientierung zu erleichtern, installierte der Heimatverein eine Sandstein-Sockelplatte mit Richtungs- und Kilometerangaben zu Orten im Münsterland. Diese Tafel ist bis heute ein markantes Element der Anlage.

1994 – 70- jähriges Bestehen des Heimatvereins
Im Jahr 1994 blickte der Heimatverein mit Stolz auf 70 Jahre gelebte Heimatverbundenheit zurück. Gemeinsam mit der Familiengemeinschaft am Berg, die ihr 75‑jähriges Jubiläum feierte, wurde dieses besondere Ereignis auf der „Schönen Aussicht“ würdig begangen. Das von Pfarrer Exler zelebrierte plattdeutsche Festhochamt bildete den feierlichen Mittelpunkt. Die Feuerwehrkapelle und die Alphornbläser aus Mettingen verliehen der Feier einen eindrucksvollen musikalischen Glanz. Die große Beteiligung der Bevölkerung machte das Jubiläum zu einem bewegenden Zeichen lebendiger Gemeinschaft.
1999 – Denkmalschutz
Am 27. Oktober 1999 stellte die Stadt Hörstel die „Schöne Aussicht“ aufgrund ihrer historischen, kulturellen und landschaftlichen Bedeutung unter Denkmalschutz. Damit wurde ihre Bedeutung als Wahrzeichen offiziell anerkannt.
1999 – 75 Jahre Heimatverein Riesenbeck
Festwoche vom 20. August bis zum 29. August 1999
Am 27. Oktober 1999 stellte die Stadt Hörstel die „Schöne Aussicht“ aufgrund ihrer historischen, kulturellen und landschaftlichen Bedeutung unter Denkmalschutz. Damit wurde ihre Bedeutung als Wahrzeichen offiziell anerkannt.
Die „Schöne Aussicht“ – Bedeutung für die Region
Die „Schöne Aussicht“ ist weit mehr als ein Aussichtspunkt. Sie ist ein Stück gelebter Heimatgeschichte – ein Ort, an dem sich Natur, Erinnerung und Gemeinschaft verbinden. Sie steht für die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Landschaft, für die Arbeit des Heimatvereins und für die vielen kleinen und großen Geschichten, die sich im Laufe der Jahrzehnte um diesen besonderen Platz ranken. Bis heute ist sie ein beliebtes Ziel für Wanderer, ein Rastpunkt am Hermannsweg und ein Ort, an dem man – wie Mary Schindler im Jahr 1908 – innehalten und die Heimat betrachten kann.
Der Waldauenweg wird „Himmelsleiter“ zur „Schönen Aussicht“
Die zertifizierte Teutoschleife „Waldauenweg“ wurde ab 2013 im Rahmen der Weiterentwicklung des Wanderangebots im Tecklenburger Land eingerichtet. Der offizielle Startpunkt befindet sich am Treppenaufgang der „Schönen Aussicht in Riesenbeck. . Damit gehört er zu den Wegen, die in dieser Zeit als hochwertige, naturnahe Rundwanderwege im Teutoburger Wald etabliert wurden.

Der historische Einstieg in Riesenbeck-Bergeshövede am „Nassen Dreieck“ führt seit 1902 direkt in den Teutoburger-Wald. Von Wanderern wird der 160 km lange Weg er als einer der schönsten der deutschen Mittelgebirge bezeichnet

Der Klosterweg als kulturelles Symbol
Der Klosterweg wurde vor etwa 20 Jahren vom Heimatverein Riesenbeck und der Stadt Hörstel eingerichtet. Er erinnert an die lange und enge Verbindung zwischen Riesenbeck und dem Kloster Gravenhorst. Entlang des Treppenaufganges zur „Schönen Aussicht“ stehen Stelen mit einer Bronzetafel. Der Weg führt von der St. Kalixtus Kirche über den Bergweg zum Kloster Gravenhorst.

Der kleine rote Drache.
Der Kleine rote Drache ist eine auffällige Kunstfigur am Treppenaufgang zur „Schönen Aussicht“ in Riesenbeck. Er steht für Mut, Fantasie und Lebensfreude und setzt einen fröhlichen Akzent an diesem beliebten Aussichtspunkt.
Von hier aus öffnet sich der Blick weit über Riesenbeck, den Teutoburger Wald und das Münsterland. Der Drache lädt dazu ein, kurz innezuhalten, die Treppe hinaufzusteigen und die Aussicht mit einem Lächeln zu genießen. Die Steinmetzin Christine Prinze erschuf aus einem großen schweren Findling einen Drachenkopf.
Der Kunstschmied Thomas Prinze fertigte das schmiedeeiserne Gestell an.
Das Ornament auf dem Buch wurde von einer Goldschmiedin entworfen und kunstvoll angefertigt.
Marion Funke und Tanja Dierken möchten mit diesem Projekt Kindern die Freude an der Natur wecken und die Fantasie anregen.


Himmelsleiter: Training für Sportler
Die Treppe zur „Schönen Aussicht“ in Riesenbeck ist seit Jahrzehnten ein beliebter Ort für Sportler. Sie nutzen die Stufen oft, um ihre Kondition zu trainieren. Und ganz nebenbei haben sie dabei natürlich einen tollen Ausblick über das Münsterland.
Ein Ort der Erinnerung und der Verbundenheit
Die „Schöne Aussicht“ ist weit mehr als ein Aussichtspunkt. Sie ist ein Stück gelebter Heimatgeschichte – ein Ort, an dem sich Natur, Erinnerung und Gemeinschaft verbinden. Sie steht für die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Landschaft, für die Arbeit des Heimatvereins und für die vielen kleinen und großen Geschichten, die sich im Laufe der Jahrzehnte um diesen besonderen Platz ranken.
Bis heute ist sie ein beliebtes Ziel für Wanderer, ein Rastpunkt am Hermannsweg und ein Ort, an dem man – wie Mary Schindler im Jahr 1908 – innehalten und die Heimat betrachten kann
Die „Schöne Aussicht“ in Riesenbeck – Ein Wahrzeichen mit Geschichte
Historischer Bericht
Die „Dicke Buche“ vom Riesenbecker Berg – Mit der „Schönen Aussicht“ ein Mittelpunkt des Dorflebens
Die dicke Buche im Gravenhorster Wald, deren mächtiger Stamm über sechs Meter Umfang erreichte, war über Generationen hinweg ein fester Bestandteil des örtlichen Lebens. Nicht nur Wanderer und Schulklassen suchten sie auf – sie war auch ein zentraler Treffpunkt für Messdienergruppen, Pfadfinder und die zahlreichen Vereine, die in Riesenbeck und Umgebung das gesellschaftliche Leben prägten.
Für die Messdiener und Pfadfinder war die Buche über Jahrzehnte hinweg Start- und Zielpunkt ihrer Geländespiele.
- Geländespiele wie „Fahnenklau“, „Angriff auf die Buche“ oder „Spurensuche“ führten die Gruppen tief in den Wald hinein.
- Die Buche diente als Hauptquartier, als Sammelpunkt für Pausen und als Ort, an dem die Gruppenleiter Geschichten erzählten – von alten Zeiten, von Waldgeistern oder von früheren Abenteuern. Auch wurde hier gezeltet.
- Besonders beliebt war der „Nachtlauf“, bei dem die Jugendlichen mit Taschenlampen und Mut im Gepäck den Wald erkundeten.
Auch die örtlichen Vereine – Schützen, Kolping, Sportvereine, Kegelclubs – nutzten die Buche als Zwischenstation ihrer traditionellen Maigängen.
- Der Weg führte meist vom Dorf über die Felder in den Teutoburger Wald, wo an der Buche eine Rast mit Liedern aus der Mundorgel, Gitarrenklänge und Getränken eingelegt wurde.
- Viele ältere Dorfbewohner erinnern sich noch an die Picknickdecken, die rund um den Stamm ausgebreitet wurden.
- Für manche Vereine war die Buche sogar der Ort, an dem neue Mitglieder feierlich aufgenommen wurden.
Als die Buche schließlich morsch wurde und zur Gefahr für Spaziergänger geriet, war der Abschied schwer. Die Sprengung – zunächst erfolglos, dann endgültig – markierte nicht nur das Ende eines Baumes, sondern auch das Ende eines Stücks gemeinsamer Erinnerungen, aber die Geschichten über die Buche leben weiter – in Fotoalben, in Vereinschroniken und in den Erzählungen derer, die dort ihre Jugend an der „Dicken Buche und an der „Schönen Aussicht verbrachten. Die Buche würde heute ein Alter von rund 360 Jahren erreichen, während ‚Schöne Aussicht‘ und ‚Wilhelmsruh‘ seit 100 Jahren bestehen.“
- Mai 2026 Erstellt von Gregor Werthmöller






