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Entwicklung des Heimatvereins Riesenbeck

Der Heimatverein Riesenbeck blickte im Jahr 1999 auf sein 75jähriges Bestehen zurück. Vorher hatte in unserer Gemeinde bereits ein Verschönerungsverein bestanden, um den sich der Gastwirt Wilhelm Paul besondere Verdienste erwarb. Eine kleine Gruppe Riesenbecker Bürger bemühte sich schlecht und recht um ein sauberes Dorf und stellte an landschaftlich schönen Plätzen Ruhebänke für Spaziergänger und Wanderer auf. Der 1. Weltkrieg brachte diese Ansätze zum Erliegen. Wenige Jahre nach Ende des Krieges verstarb Wilhelm Paul am 8. Mai 1920. Im Jahre 1926 errichtete der Heimatverein ihm zu Ehren auf der Höhe des Teutoburger Waldes oberhalb des Dorfes die "Wilhelmsruh", von der man einen Blick über ganz Riesenbeck und weite Teile des Münsterlandes werfen konnte.

Als sich nach der Inflation das wirtschaftliche Leben konsolidiert hatte, fanden sich im Herbst 1924 Riesenbecker Bürger aller Schichten zusammen, um in der Nachfolge des Verschönerungsvereines einen Heimatverein zu gründen. Nach einer Informationsveranstaltung am 2. Oktober 1924 fand im Dezember 1924 - das genaue Datum läßt sich nicht mehr feststellen - die Gründungsversammlung statt. Nach kurzer Diskussion nannte sich die Versammlung Heimatverein Riesenbeck. Zum Vorsitzenden wurde Johannes Oechtering und zu seinem Stellvertreter Freiherr Heereman gewählt.

Nach den Wahlen unterhielten sich die Gründungsmitglieder über das Ziel und die Aufgaben des Vereins.

Die Ziele waren:

  • das Heimatgefühl im Volke neu zu beleben und
  • die Liebe des Volkes zu seiner Vergangenheit und heimatlichen Scholle wachzurufen.

Als Aufgabe hatte man sich gestellt:

  • die heimatliche Flur zu verschönern
  • Natur- und Kunstdenkmäler zu erhalten
  • die Geschichte des Dorfes zu erforschen und
  • alte Sitten und Gebräuche wieder einzuführen.

Nach dem Protokoll vom 26. Oktober 1925 hatte der Heimatverein zu diesem Zeitpunkt bereits 102 Mitglieder. Voll Stolz blickt der Chronist auf das erste Jahr der Vereinsgeschichte zurück. Mit Idealismus und eiserner Energie hatten die Mitglieder die selbst gestellten Aufgaben erfüllt. In der Gemeinde waren bereits 14 neue Ruhebänke aufgestellt und der Platz an der letzten Kreuzwegstation zu einem viel besuchten Ziel von Spaziergängern gestaltet worden. Mit zwei erfolgreichen Heimatabenden war der Verein an die Öffentlichkeit getreten und hatte damit viele neue Freunde gewonnen. Der große niederdeutsche Dichter Karl Wagenfeld war Gast in Riesenbeck. Zum ersten Male lauschten Riesenbecker den Versen der wortgewaltigen plattdeutschen Dichtungen "Daud un Düwel", "De Antichrist" und "Use Vader".

Besonders bemerkenswert aber scheint zu sein, daß an diesem Abend des 26. Oktober 1925 ein Modell des geplanten "Ossenlock-Denkmals" der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Man hatte an alle auswärtigen Riesenbecker appelliert und um ein Scherflein für den Bau des Denkmals gebeten. Der Chronist schreibt: "Dank der Freigebigkeit ist der Bau des Denkmals fast gesichert." Es sollte aber noch vier Jahre dauern, bis die Weihe des Denkmals vollzogen werden konnte.

Man rastete aber während dieser Zeit nicht, sondern ging zielbewußt den vorgezeichneten Weg weiter. Was Idealismus und Ideenreichtum zu schaffen vermögen, beweisen die alten Berichte über das Leben des Heimatvereins. Heimatabende, zu denen bekannte plattdeutsche Dichter, Rezitatoren, Sänger und Lautenspieler verpflichtet wurden, boten den Vereinsmitgliedern gute Unterhaltung und - was den Verantwortlichen weit wichtiger schien - die Abende dienten dazu, daß sich die Riesenbecker Bevölkerung auch menschlich näher kam. Inzwischen war auch eine Volkstanzgruppe gegründet, die zum ersten Male im Oktober 1926 an die Öffentlichkeit trat und dabei die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte. Darüber hinaus berichtet der Chronist: "Der Abend fand einen solchen Beifall, daß die alten Tänze und Reigen noch an zwei späteren Sonntagen vor gut besetztem Hause aufgeführt wurden. Mit dem Erlös konnten die entstandenen Unkosten dieses Abends gedeckt und außerdem die Kostüme der Spieler sowie einige Armbrüste für das Kinderschützenfest erworben werden. In dem Kreis-Heimatjahrbuch sind die Heimat- abende des Heimatvereins Riesenbeck als geradezu vorbildlich hingestellt worden."  

Es fiel das Stichwort "Kinderschützenfest". Im August 1928 fand es nach Jahren wieder statt. Auf Anregung des Heimatvereins fanden sich über 100 Jungen zusammen, um wie die Großen ihren König zu ermitteln. Der 11jährige Josef Berghaus tat den besten Schuß. Die neue Königskette aus Messing stammte aus der Werkstatt Bach-Wild aus Münster. Das Widmungsschild des Heimatvereins trägt als Motto die Worte: "Es lebe die Jugend". Der noch recht junge Verein suchte aber sofort auch Kontakt zu gleichartigen Vereinen der Nachbarschaft. So traf man sich mit dem sehr regen Heimatbund Emsdetten am 21. August 1927 in den Anlagen der Surenburg. Die Heimatgebietstagung des nördlichen Münsterlandes hatte am 15. Mai 1927 zahlreiche auswärtige Heimatfreunde nach Riesenbeck geführt.

Brauchtumspflege hatte der Heimatverein in seinen Aufgabenkreis übernommen. Dazu gehörte wohl auch das Abbrennen des Osterfeuers. So hatte der Verein erstmalig zum Osterabend des Jahres 1925 zum Osterfeuer eingeladen. Die Dorfjugend hatte den Holzstoß zusammengefahren, und bei der Feier wirkten der Männergesangverein sowie eine Musikkapelle mit.

Neben alle dem ließ man auch die Pflege der Landschaft nicht außer acht. Bereits im Jahre 1926 errichtete man auf dem Teutoburger Wald, oberhalb des Dorfes, die "Schöne Aussicht". Sie ist zu einem der meistbesuchten Aussichtspunkte des westlichen Teutoburger Waldes geworden.

So kam das Jahr 1929 heran, und mit ihm kam für den Heimatverein der erste Höhepunkt in seiner erst 5jährigen Geschichte. Am Sonntag, den 28. Juli 1929, wurde das Ossenlock-Denkmal eingeweiht. Damit verbunden war der erste Kreisheimattag. Darüber berichteten die Zeitungen des nächsten Tages mit begeisterter Anerkennung. Einige Auszüge sollen hier folgen, um noch einmal die Erinnerung an das große Ereignis wachzurufen:  

 

 

 

  • "Samstag: Die letzten Vorbereitungen zu dem großen Festtage werden getroffen. Alles steht im Zeichen des Heimatfestes. Am Abend wird's lebendig auf den Straßen. 950 ehemalige Riesenbecker, die auswärts wohnen, waren eingeladen. Viele sind gekommen und werden von Verwandten und Bekannten durch das Dörfchen geführt. Sonntagmorgen ist um 10 Uhr Festgottesdienst mit mehrstimmigem Gesang des Kirchenchores. Anschließend begeben sich die Gläubigen in Prozession zum Ossenlock-Denkmal. Pfarrer Beckmann nimmt die Weihe des Denkmals vor. Nach der Nachmittagsandacht sammeln sich die Festteilnehmer gegen 1/4 vor 3 Uhr bei der Niemeyer´schen Fabrik. Ein schier endloser Festzug bewegt sich dann zum Ossenlock-Denkmal. In kurzen Worten feiert Bürgermeister Boele die Verdienste des Heimatvereins Riesenbeck. Anschließend eröffnet Landrat Dr. Schultz den Kreisheimattag.

    Er gibt einen Rückblick auf die Tätigkeit der einzelnen Vereine und einen Auszug aus der Geschichte des Kreises Tecklenburg. Reichsfreiherr von Kerckerinck zur Borg wendet sich in seiner Festrede an die Versammelten. Dann findet man sich auf dem Kirchplatz zum Volksfest ein. Auf einer erhöhten Bühne führen einzelne Tanzgruppen alte und neue Volkstänze auf. Auf dem Mädchen-Schulplatz sind zur selben Zeit große Kinderbelustigung und Kinderschützenfest. Bei dem Kinderschützenfest hat Heini Kortemeier den besten Schuß getan. Das Heimatmuseum in der Schule am Kirchplatz erfreut sich eines regen Besuches. Wir beschränken uns auf einen Überblick. Gezeigt werden eine große Jagdausstellung, ein Biedermeier-Zimmer, eine Bauernküche, eine Spinnstube, in der Spinnrad und Handwebstuhl auch in Betrieb sind. Ein Musikzimmer mit einem alten Spinett ist aufgestellt; ein Barockeßzimmer vervollständigt die Wohnung. Im zweiten Teil des Museums befindet sich die Kunstausstellung. Am Eingang fällt ein Altarbild aus der alten Pfarrkirche, den Gekreuzigten darstellend, in die Augen. Unter den Kunstgegenständen befinden sich alte Bilder, Urkunden und handgemalte Gebetbücher. Wertvolle Meßgewänder und Fahnen werden gezeigt. Daneben alter Bauernschmuck und münsterländer Gold- und Silberkappen. Den Abschluß bildet der vorzüglich gearbeitete Stammbaum der Familie Brachtesende-Abeler."

 

In Anerkennung seiner verdienstvollen Tätigkeit wurde dem Heimatverein Riesenbeck vom Westfälischen Heimatbund die Wagenfeld-Plakette verliehen.

Dieser große Festtag war die Krönung einer fünfjährigen intensiven Arbeit. Er bezeichnet aber auch eine Wende zum Schlechten. Bedingt durch die heraufziehende Wirtschaftskrise wird es merklich ruhiger im Heimatverein. Noch erfahren wir von gut gestalteten Heimatabenden mit der Dichterin Maria Kahle, dem plattdeutschen Dichter Bernhard Holtmann, dem Lautenspieler Tönne Vormann. Das geschäftige Treiben nach Außen aber fehlt. Auch der Heimatverein hat seine wirtschaftlichen Sorgen. Und so geht es in das Jahr 1933. Das Deutsche Reich erhält eine neue Regierung.

Am 11. Januar 1933 fand im Saale Stratmann ein Heimatabend statt mit dem plattdeutschen Erzähler Bernhard Holtmann aus Olfen. Eine große Verlosung, von der sich das Verzeichnis der Gewinne noch in den Akten des Vereins befindet, bot einen besonderen Anreiz. Der Saal war überfüllt und die Nachfrage nach Losen weit größer als das Angebot. Dieser Abend war für fast fünf Jahre ein Abgesang der bisher so lebendigen Vereinsarbeit.

Am 30. Januar wurde Adolf Hitler Reichskanzler. Er ließ sich schon bald vom Reichstag bis dahin nicht gekannte Vollmachten erteilen. Andere politische Parteien als die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei wurden verboten. Aus der jungen deutschen Demokratie war ohne erkennbare Gewaltanwendung eine Diktatur geworden. Die "Partei" und ihre Führer bestimmten allein die Geschicke des Reiches und des Volkes. Diesem Druck wollten sich die Mitglieder des Vorstandes des Heimatvereins nicht beugen. Sie leisteten passiven Widerstand dadurch, daß sie das Leben des Vereins ruhen ließen. Das bewährte sich so bis 1937.

Damals wirkte in Riesenbeck der junge Bürgermeister Dr. Kochs. Er war ein Heimatfreund par excellence. Unter seiner Federführung wurde hier ein "Leuteabend" vom Reichssender Köln aufgenommen. Dieser "Leuteabend" war so etwas wie ein Heimatabend am Herdfeuer mit Liedern, Erzählungen, plattdeutschen Döhnekes, Versen und Volkstänzen. Er wurde beim Bauern Franz Gehring in Birgte aufgenommen und auch bald - wenn auch auf nicht einmal ein Viertel der Zeit gekürzt - vom Rundfunk gesendet. Dieser Abend war Anstoß zur Wiederbelebung des Heimatvereins. Am 25. Mai 1938 fand die erste Versammlung statt. Der Vorsitzende Johannes Oechtering hatte dazu eine kleine Einladung verfaßt: Es ruft Dich die Heimat, erfüll´ Deine Pflicht: Versäume den Abend am Dienstag doch nicht! Und hast Du enttäuscht am Rundfunk gesessen, weil in der Sendung so vieles vergessen, hat spannend doch mancher im Lande gelauscht und still einen Gruß mit der Heimat getauscht."

Eingeladen hatten Amtsbürgermeister Lutze und Ortsgruppenleiter Welle. 40 Heimatfreunde waren der Einladung ins Hotel Stratmann gefolgt. Kreisringleiter Fr. Rohlmann, Velpe, erinnerte an die vorbildliche Arbeit des Heimatvereins Riesenbeck und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Riesenbecker, die schon immer mit ganzem Herzen bei der Sache waren, nun auch zur Wiederbelebung des Heimatvereins kommen. Ortsgruppenleiter Welle dankte dem bisherigen Vorsitzenden Johannes Oechtering für seine Arbeit im Dienste der Heimatpflege. Landrat Tanzeglock aus Tecklenburg nahm die ihm angetragene Ehrenmitgliedschaft dankend an. Der neue Vorstand besteht aus dem Ortsvereinsleiter Wilhelm Schnetlage, Schriftführer Franz Breulmann und Kassierer Georg Storck. Der Amtsbürgermeister schloß die Versammlung mit einem dreifachen "Sieg Heil" auf den Führer Adolf Hitler.

Mit einem Schreiben des Westfälischen Heimatbundes wegen der Instandsetzung von Wanderwegen vom 8. Juni 1940 schließt sich die Akte. Wilhelm Schnetlage wurde Soldat, wie viele andere Riesenbecker, unter denen auch die anderen Mitglieder des Vorstandes sich befanden. Wieder ruhte die Arbeit im Heimatverein. Das Grauen des Krieges zog auch über unser Dorf hin: Bombenangriffe, Kämpfe und Besatzung, Hunger, Wohnungsnot.

Nach dem Ende des Krieges kehrten schon bald die ersten Soldaten zurück. Mit ihnen kamen aber auch notgeplagte Menschen, die man aus ihrer Heimat im Osten vertrieben hatte. Trotz all der Not reifte schon bald wieder der Gedanke, den Heimatverein neu zu beleben. Wieder war es der Kaufmann Johannes Oechtering, der zusammen mit seinem Sohn Hans, dem Gärtnermeister Josef Rohlmann und Max Freiherr Heereman von Zuydtwyck die Initiative ergriff. In einer Versammlung am 12. Juni 1946 wurde der Heimatverein Riesenbeck zu neuem Leben erweckt. Josef Rohlmann übernahm den Vorsitz. Der Heimatverein Riesenbeck darf für sich in Anspruch nehmen, daß er wahrscheinlich der erste Verein dieser Art im Kreise Tecklenburg war, der seine Arbeit wieder aufnahm.

Schon die ersten Heimatabende, die bereits im Herbst 1946 und im Frühjahr 1947 stattfanden, zeigten, wie sehr der Heimatgedanke in der Bevölkerung verwurzelt war.

In einem Lied zum ersten Heimatabend, das von Johannes Oechtering verfaßt wurde, hieß es:

  De Flüchtlinge, weil heimatlos von Hus un Hoff verjagt,

wie niemt se up, nich blos ut Twang, se wärdt hier gued bedacht.

 "Den Nächsten lieben wie sich selbst" is nu de grötste Pflicht.

Un we nich donao liärben will verdännt den Himmel nich!"

Es ging aufwärts. Die "Schöne Aussicht", die bei den Kämpfen im April 1945 von einem Panzer zerschossen worden war, wurde wieder hergestellt. Ruhebänke wurden aufgestellt oder renoviert. Im Jahre 1947 übernahm Wilhelm Schnetlage nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wieder den Vorsitz im Heimatverein. Mit Elan ging er an die Arbeit. Das 25jährige Bestehen war vorzubereiten. Da riß am 21. April 1949 ein plötzlicher Tod ihn mitten aus seiner Arbeit heraus.

Max Freiherr Heereman von Zuydtwyck trat die Nachfolge an. Umsichtig leitete er die Geschicke des Vereins. Durch Fahrten, die zur Tulpenblüte nach Holland, in die Hauptstadt und den Seehafen Amsterdam, an das Meer nach Norddeich, Wiesmoor und Bremen führten, wurden den Riesenbecker Heimatfreunden die Schönheit und Eigenart anderer Länder und Landschaften nahegebracht. Über eine ganze Reihe von Jahren gehörten diese Fahrten zum Jahresprogramm des Vereins. Man besuchte Landschaften und Städte in der nahen und weiteren Umgebung.

Darüber wurden aber die Aufgaben der Orts- und Brauchtumspflege nicht vernachlässigt.

Bereits Ostern 1947 loderte wieder auf dem Klei das traditionelle Osterfeuer. Unter der Leitung von Hein Schlüter aus Hörstel entstand eine Volkstanzgruppe, die auf dem ersten Kreisheimattag nach dem Kriege zusammen mit anderen Gruppen in Ibbenbüren an die Öffentlichkeit trat.

Als im Jahre 1950 die neue Volksschule einen Namen erhalten sollte, war es der Heimatverein, der sich für die Bezeichnung "Sünte-Rendel-Schule" einsetzte. Er fand bei der Gemeindevertretung Gehör. Bei der Einweihung der Schule wurde sie nach der Riesenbecker Volksheiligen benannt.

In diese Zeit gehen auch die Bemühungen des Heimatvereins zurück, eine würdige Gedenkstätte für die Toten der beiden großen Kriege zu schaffen. Es war ein Projekt, das der Verein nicht allein lösen konnte. Es mußte sich daran die ganze Dorfgemeinschaft beteiligen. Immer wieder gehörte dieses Thema zur Tagesordnung der Vorstandsberatungen. Im Frühjahr 1959 war es endlich so weit. Es fand am 14. März eine Fahrt zu verschiedenen Gedächtnisstätten statt. Man hatte sich dabei vom Landesbaupfleger in Münster beraten lassen. In einer abschließenden Aussprache kam man überein, zum Andenken an die Toten und Vermißten der beiden großen Kriege eine Kapelle zu errichten. Nach Verhandlungen mit der Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde wegen des Standortes, wurde von Freiherr von Heereman im Tauschwege das Grundstück an der Dorfbrücke zur Verfügung gestellt. Darüber waren zwei Jahre vergangen.

Im Juni 1961 übersandte der Landesbaupfleger einen ersten Entwurf, der nach reiflicher Erörterung angenommen wurde. Für viele Riesenbecker war diese modern anmutende Bauweise zunächst ungewöhnlich. Heute aber dürfen wir stolz sein auf diese würdige Gedenkstätte. Die Weihe erhielt die Kapelle am Buß- und Bettag des Sünte-Rendel-Gedächtnisjahres 1962. Die Ausdauer und Initiative des Heimatvereins hatten dank der geschlossenen Unterstützung durch die Dorfgemeinschaft Erfolg.

Zur selben Zeit nahm der Heimatverein ein zweites großes Projekt in Angriff. Zum Sünte-Rendel-Gedenkjahr 1962 sollte ein Riesenbecker Heimatbuch herausgegeben werden. Es galt zunächst einen Kreis von Mitarbeitern zu gewinnen. Hier gilt unser besonderer Dank dem Archivar Heinrich Plagemann in Münster, der aufgrund seiner Tätigkeit nicht nur selbst wesentlich zur Gestaltung des Buches beitragen konnte, sondern auch darüber hinaus mehrere qualifizierte Fachleute vermittelte. Der Großzügigkeit aller Mitarbeiter verdankt der Heimatverein, daß das Buch beim Kreisheimattag am 16. September 1962 in Riesenbeck der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.

Mutig griff der Heimatverein auch viele andere Projekte an. In den Jahren 1964 und 1965 wurden auf dem Teutoburger Wald 12 Rundwanderwege gekennzeichnet. Von zwei Parkplätzen aus führen sie in verschiedenen Längen zwischen 1,5 und 6,5 km jeweils zum Ausgangspunkt zurück. Seither erfreuen sie sich bei den vielen "Autowanderern" großer Beliebtheit. Wer heute einmal an einem schönen Wochenende einen Spaziergang über den Berg macht, wird erfahren, wieviele auswärtige Wanderer die Schönheit unserer Heimat entdeckt haben. Das ist sicherlich nicht nur ein Verdienst des Heimatvereins, aber durch sein Wirken hat er wesentlich dazu beigetragen.

Im Frühjahr 1965 fand auf dem Hofe Wernsmann in Birgte eine Veranstaltung besonderer Art statt. Unter der Leitung von Alfred Gehring unterhielt sich eine Reihe Riesenbecker Bürger über die Kriegsereignisse in den Jahren 1939 bis 1945 in unserer Gemeinde. Die Unterhaltung wurde auf Tonband aufgezeichnet, damit die persönlichen Erlebnisse nicht in Vergessenheit geraten.

Eine Wende im Vereinsleben trat ein, als in der Generalversammlung des Jahres 1965 der Vorsitzende Max Freiherr Heereman sein Amt aus Gesundheitsgründen niederlegte. Einstimmig wurde Constantin Freiherr Heereman zum Nachfolger gewählt. Der bisherige Leiter des Heimatvereins wurde in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Unter der Leitung des jungen Vorsitzenden fand bereits am 15. Juli 1965 eine Gedenkfeier "1.000 Jahre Bergeshövede" statt. Die Räume der Gastwirtschaft Klostermann-Meyer in Bergeshövede konnten die zahlreichen Gäste kaum fassen, die an dieser eindrucksvollen Feierstunde teilnehmen wollten. Die Geschichte der Riesenbecker Bauernschaft wurde von Heinrich Kerkeling aufgearbeitet, einem Mann, der zwar nie an die Öffentlichkeit trat, dem aber Riesenbeck viel für die Erforschung seiner Geschichte zu verdanken hat.

Die Aufgaben des Vereins wurden immer vielseitiger. Die Anlegung eines Bildarchivs und einer Farbdiaserie wurde in Angriff genommen. Im November 1966 konnte die Diareihe erstmalig vorgestellt werden.

Hatten sich in den früheren Jahren die Riesenbecker bei den großen Heimatabenden zusammengefunden und dabei ihre Zugehörigkeit dokumentiert, so fanden jetzt Wanderungen und kleine Ausflüge immer mehr Interesse. Es sei nur an die Abendwanderungen ins Birgter Feld oder in die Kaiserei erinnert, oder an die Wanderungen nach Elte, Bevergern und Gravenhorst. Fahrten zum Waldzoo in Osnabrück, nach Rheine, die Schiffsausflüge auf der Ems von Rheine nach Emsdetten und auf dem Mittellandkanal nach Recke sind sicher den Teilnehmern noch gut in Erinnerung.

Mit dieser nimmermüden Aktivität war auch ein starkes Wachsen der Mitgliederzahlen verbunden. Zählte der Verein am 31. Dezember 1965 noch 192 Mitglieder, so stieg die Zahl kontinuierlich bis zum 31. Dezember 1973 auf 353.

Den ersten großen Höhepunkt setzte der Verein am 8. August 1970 mit der Nachgestaltung einer westfälischen Bauernhochzeit auf dem Hofe Remmersmann in Birgte. Die Erwartungen, die der Vorstand in diese Veranstaltung gesetzt hatte, wurden weit übertroffen. Sogar der Rundfunk berichtete in einer Reportage von diesem Ereignis. Neben mehr als 200 Zuschauern nahmen weit über 200 Heimatfreunde auf der Diele des Hofes an dem Hochzeitsessen teil: Graue Erbsen mit Rosinen und dazu trockener gekochter Schinken und Speck. Diese Reihe wurde fortgesetzt mit der Einbringung des "lesten Foer" im Sommer 1971 und einem großen Richtfest auf einem Bauernhofe am 10. Juni 1972. Hier sei eines Mannes gedacht, der unermüdlich im Interesse des Heimatvereins tätig war: Karl Postmeier. Er sprühte nicht nur von Ideen, er war auch ein Mann der Praxis.

Die Pflege des heimischen Brauchtums und der dörflichen Gemeinschaft ist zwar das Hauptanliegen des Heimatvereins. Er vergißt dabei aber nicht die Pflege des Dorf- und Landschaftsbildes. Die Erhaltung der für unsere Heimatgemeinde bedeutenden Denkmäler wird konsequent betrieben. Im Jahre 1971 wurde das Ossenlock-Denkmal im Oberdorf gründlich renoviert und durch die Anlage einer künstlichen Quelle erweitert. Ein Jahr später folgte die Instandsetzung des Reinhildis- Brunnens auf dem Kirchplatz. Die Arbeiten konnten nur durchgeführt werden dank der großzügigen Hilfe der Gemeinde und des uneigennützigen Einsatzes vieler Vereinsmitglieder.

Von besonderem Wert ist eine umfangreiche Arbeit, die im Jahre 1973 in Angriff genommen wurde. In einem Farbfilm wurde der Jahresablauf in unserer Gemeinde festgehalten. Nur der selbstlose Einsatz des Kameramannes Erich Brune ermöglichte die Zusammenstellung dieses dokumentarischen Films. Er zeigt Riesenbecker an ihren Arbeitsplätzen und bei ihrer Freizeitbeschäftigung; festgehalten wurden kommunale, kirchliche und sportliche Veranstaltungen und Feiern. Heimatliches Brauchtum und das äußere Bild der Gemeinde vervollständigen den Film. Der Heimatverein hat damit nach der Herausgabe des Buches " Riesenbeck - aus Vergangenheit und Gegenwart eines münsterländischen Dorfes" ein weiteres würdiges Dokument geschaffen. Nicht ohne Absicht gab er in Anlehnung an den Titel des Buches dem Film den Titel: "Riesenbeck - ein münsterländisches Dorf. - Seine Menschen und seine Landschaft im Jahre 1973."

Das Jahr 1974 war geprägt von den Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen des Heimatvereins. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr, der Feuerwehrkapelle, und des Junggesellen-Schützenvereins, die 1899 gegründet und somit auf 75 Jahre zurückschauten, wurden in einer Festwoche vom 12. bis 21. Juli 1974 diese Geburtstage gefeiert.

Samstag, der 13. Juli, stand im Zeichen der Geburtstagsfeier des Heimatvereins. Begonnen wurde mit einem erstmals in plattdeutscher Sprache gefeierten Gottesdienst um 18 Uhr in der Pfarrkirche. Diese "plattdeutsche Messe" fand bei den Kirchenbesuchern eine so große Zustimmung, daß der Heimatverein sich veranlaßt sah, einen plattdeutschen Gottesdienst bis auf den heutigen Tag jährlich zu wiederholen.

Am Abend fand die Festveranstaltung des Heimatvereins im großen Festzelt auf dem Schulhof statt, das mit ca. 750 Besuchern hoffnungslos überfüllt war. Erstmals wurde an diesem Abend der von Erich Brune erstellte Heimatfilm "Riesenbeck ein münsterländisches Dorf. - Seine Menschen und seine Landschaft im Jahre 1973" aufgeführt. Zwei weitere Aufführungen, die ebenfalls einen überaus großen Zuspruch fanden, schlossen sich im Laufe des Jahres an.

An den Veranstaltungen der drei weiteren Jubelvereine nahm der Heimatverein jeweils mit starken Abordnungen teil. Die zahlreichen Veranstaltungen verliefen in guter Harmonie und zur Zufriedenheit aller Beteiligten.

Bei all der Festesfreude wurden die sonstigen Veranstaltungen des Heimatvereins aber nicht vernachlässigt. Die 1970 vom Heimatfreund Karl Postmeier initiierte Winterwanderung mit einer "Glühweinpause" wurde ebenso fortgesetzt wie die große Winterveranstaltung im Dezember eines jeden Jahres, die mit über 300 Besuchern im überfüllten Saal der Gastwirtschaft Feldmann stattfand. Diese beliebten Veranstaltungen stehen bis heute unverändert im Jahresprogramm des Heimatvereins.

Festzuhalten bleibt für das Jahr 1974 noch ein großer Arbeitseinsatz am 23. April. 35 Heimatfreunde, darunter erfreulich viele Jugendliche, hatten sich eingefunden, um die 12 Rundwanderwege im Teutoburger Wald neu zu kennzeichnen. Neue Ruhebänke wurden aufgestellt und ein alter Mühlstein zu einem Tisch umfunktioniert.

Die erfolgreichen Arbeitseinsätze wurden auch in den kommenden Jahren fortgesetzt. So wurde 1975 in der Kaiserei ein weiterer Mühlstein als Tisch, flankiert von zwei Ruhebänken, aufgestellt. Eine wichtige Aufgabe ist weiter die Instandhaltung der vielen Ruhebänke, die vom Heimatverein im Laufe der Jahre aufgestellt wurden.

Am 11. Oktober 1975 feierte der Heimatverein ein Erntedankfest. In der bis auf den letzten Platz besetzten Pfarrkirche wurde zum zweiten Mal ein plattdeutscher Gottesdienst zelebriert. Über 200 Teilnehmer ließen sich anschließend im Saal Feldmann das kräftige Essen munden. Für Unterhaltung sorgten neben dem Kapellenchor Mimi Frenke, Otti Baranowski und Tönne Vormann.

Die Gebietsneugliederung zum 1. Januar 1975 sorgte für viel Unruhe in unserer Gemeinde. Der vom Landesgesetzgeber im "Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Münster/Hamm" verordnete Zusammenschluß der bisherigen amtsangehörigen Gemeinden Stadt Bevergern, Dreierwalde, Hörstel und Riesenbeck zur neuen Stadt Hörstel, verbunden mit dem Verlust der bisherigen Selbständigkeit dieser Gemeinden, wurde von Riesenbeck nicht tatenlos hingenommen. Der Gemeinderat beschloß am 4. Dezember 1974 gegen das Gesetz Verfassungsbeschwerde einzulegen mit der Begründung, daß die Gemeinde Riesenbeck als anerkannter Zentralort auch weiterhin das Recht auf eine kommunale Selbständigkeit habe. Der Verfassungsbeschwerde war jedoch kein Erfolg beschieden.

Die Beibehaltung der Selbständigkeit der Heimatvereine wurde dagegen nie in Zweifel gezogen. In der Generalversammlung am 20. April 1974 wurde festgestellt, daß ein Zusammenschluß mit den übrigen Heimatvereinen nicht in Betracht gezogen werde. Unabhängig davon verbleibe es aber bei der bisherigen guten Zusammenarbeit mit den benachbarten Heimatvereinen. Diese Zusammenarbeit ist später noch weiter verfestigt worden, indem sich die Vorstände der vier Heimatvereine in der Stadt Hörstel alljährlich zu einem allgemeinen Gedankenaustausch treffen.

Über die Riesenbecker Dorfheilige "Sünte Rendel" gab der Heimatverein 1975 ein achtseitiges Faltblatt mit der Legende der Reinhildis und über die Riesenbecker Pfarrkirche heraus.

Gute nachbarschaftliche Beziehungen mit dem Heimatverein Bevergern wurden erneut deutlich bei einer Wanderung von 80 Riesenbecker Heimatfreunden am 14. März 1976 über Surenburg nach Bevergern. Bei einer gemütlichen Kaffeetafel in Bevergern überreichte der Vorsitzende des Heimatvereins Bevergern, Ernst-August Beyer, ein altes Protokollbuch aus dem Jahre 1827, das aufschlußreiche Berichte über das Leben in Riesenbeck zur damaligen Zeit enthält.

Große Aufmerksamkeit widmet der Heimatverein dem zeitgemäßen Landschafts- und Denkmalschutz. Abgängige Bäume wurden durch Neuanpflanzungen ersetzt. Hofkreuze sowie Bildstöcke und erhaltenswerte Bauwerke erfaßt und die Unterschutzstellung bei der Unteren Denkmalbehörde angeregt. An vielen Stellen im Ort wurden junge Bäume gepflanzt, die inzwischen zu stattlichen Bäumen herangewachsen sind und das Ortsbild bereichern.

Die dringend notwendige Restaurierung der um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten fünf Kreuzwegstationen war dem Heimatverein ein dringendes Anliegen. Mit Eingaben an die Kirchengemeinde, Einholung von Angeboten und Vorbereitung von Zuschußanträgen an den Landeskonservator hat der Heimatverein die Maßnahme stark unterstützt. Nachdem eine Instandsetzung der klassizistischen Stationskapellen bereits 1976/77 erfolgte, ließ die Restaurierung der barocken Stationsbilder noch längere Zeit auf sich warten. Am 24. November 1979 war es endlich soweit, daß Mitglieder des Heimatvereins die restaurierten Stationsbilder der 1., 4. und 5. Kreuzwegstation wieder aufstellen konnten.

Zu den alljährlichen Wanderungen und Ausflügen kamen 1977 sogenannte "Pättkesfahrten" hinzu, die jährlich zweimal durchgeführt wurden. Diese der Erkundung der engeren Heimat dienenden Fahrten wurden später wegen zahlreicher anderer Veranstaltungen der örtlichen Vereine auf eine Fahrt zurückgeschraubt. Von besonderem Reiz war am 23. Oktober 1977 eine Wanderung unter sachkundiger Führung über ein nahezu fertiggestelltes Teilstück der Autobahn vom Postdamm bis Gravenhorst.

Neben den routinemäßig alljährlich anfallenden Veranstaltungen gibt es immer wieder Schwerpunkte in der Vereinsarbeit, die mal von kurzer Dauer sind, sich manchmal aber auch über mehrere Jahre erstrecken.

In der Generalversammlung am 31. März 1979 wurde die Anlegung eines Bildbandes über Riesenbeck angeregt. Zur Vorbereitung wurde 1980 ein Foto- und Dia-Wettbewerb ausgeschrieben, der eine gute Beteiligung fand. Die 15 besten Bilder wurden mit einem Geldpreis prämiert. Der Bildband mit 91 teilweise ganzseitigen Farbbildern und im zweiten Teil mit 40 Schwarz-Weiß-Bildern wurde Ende 1981 fertiggestellt und zum Kauf angeboten. Innerhalb von zwei Monaten waren von dem begehrten Buch bereits 1.500 verkauft. Kurz darauf fand auch der Rest seine Käufer, so daß der Bildband alsbald ausverkauft war.

Der nach dem Krieg wieder lebendig gewordene Brauch des Osterfeuers fand alljährlich wieder viele Besucher. Leider muß hier festgehalten werden, daß die aufgeschichteten Holzstöße in den Jahren 1979, 1980 und 1981 von Unbekannten vorzeitig angezündet wurden. Während 1980 noch soviel Zeit vorhanden war, einen neuen Holzstoß aufzuschichten, mußte in den beiden anderen Jahren auf das Osterfeuer "mangels Masse" verzichtet werden. Etliche Jugendliche fanden sich daraufhin bereit, ab 1982 für ein paar Jahre den Holzstoß in mehreren Nächten zu bewachen. Ein vorzeitiges Abbrennen wurde dadurch verhindert.

Nach 16jähriger Amtszeit als Vorsitzender des Heimatvereins bat Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck in der Generalversammlung am 11. April 1981 um Verständnis dafür, daß er sich wegen der Vielfalt seiner Aufgaben nicht erneut zur Wiederwahl stellen könne. Nachfolger wurde sein 1975 gewählter Stellvertreter Franz Uphoff. Der scheidende Vorsitzende wurde wegen seiner langjährigen Verdienste um den Heimatverein zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Um den von der Gemeinde vor etlichen Jahren angelegten Freizeitpark aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, veranstaltete der Heimatverein am 4. Oktober 1981 in diesem Park einen musikalischen Frühschoppen. Die Feuerwehrkapelle und das Blasorchester Frohsinn übernahmen den musikalischen Teil. Die vom Heimatverein aufgebauten Stände waren für "Speis und Trank" gut gerüstet. Leider blieb durch das regnerische Wetter der erhoffte Erfolg aus, der sich aber im folgenden Jahr bei dem in den Abendstunden des 17. Juni durchgeführten Dämmerschoppens um so besser darstellte. Leider wurde die teilweise über ein Privatgrundstück führende Zuwegung durch eine Bebauung des Grundstückes soweit eingeengt, daß die Stände mit Fahrzeugen nicht mehr zum Freizeitpark gefahren werden konnten. Das gut angelaufene Experiment mußte daher 1985 aufgegeben werden.

Die 1979 angeregte Erstellung einer Wanderwegkarte konnte nach längerer Vorbereitung 1982 in die Tat umgesetzt werden. Aus alten Eichenbalken wurde ein "Haus" für die Karte gefertigt, das am 19. März 1982 in der Nähe der Pfarrkirche aufgestellt wurde. Das Aussehen des Gehäuses ist harmonisch der Kirche und dem in unmittelbarer Nähe stehenden Reinhildis-Brunnen angepaßt. Die Wanderwegkarte wurde auf der Rückseite um den Ortsplan von Riesenbeck erweitert, der wegen der Ausweisung einer Vielzahl neuer Baugebiete 1998 erneuert wurde.

Innerhalb des Heimatvereins bildete sich 1983 eine Wandergruppe, die sich am 7. Mai 1983 unter der Leitung von Hubert Hellweg zur ersten Wanderung traf. War es zunächst auch nur ein bescheidener Anfang, so wurde diese Gruppe im Laufe der Zeit zu einer festen Einrichtung im Heimatverein. Zunächst wurden längere Wanderwege wie z.B. der Hermannsweg, der Emsweg, der Töddenweg usw. in mehreren Etappen erwandert. In den letzten Jahren beschränken sich die Wanderungen, die an jedem dritten Samstag im Monat stattfinden, auf die nähere Umgebung.

Der Papst-Gedenkstein an der ersten Kreuzwegstation bedurfte dringend einer Restaurierung. Als einige Heimatfreunde den schweren viergiebeligen Schlußstein am 18. Oktober 1982 abhoben, erlebten sie eine kleine Sensation. Die Säule stellte sich als ein alter Taufstein dar, dessen Becken gefüllt war mit alten Schriften und Gegenständen, die ausnahmslos aus dem Jahre 1871 stammten. Sie vermittelten ein interessantes Bild über das Leben damals in Riesenbeck. Der Taufstein ist nach seiner Restaurierung in der Pfarrkirche aufgestellt worden und dient dort wieder als Taufbecken. Für den viergiebeligen Schlußstein wurde eine andere Steinsäule gefunden, so daß der Papst-Gedenkstein am 7. März 1986 in seiner ursprünglichen Form an der Kirche wieder aufgestellt werden konnte.

Im Flurbereinigungsverfahren Riesenbeck hat sich der Heimatverein mit Beginn des Verfahrens im Jahre 1984 nachhaltig und mit gutem Erfolg für die Ausweisung und den Ausbau von Rad- und Wanderwegen eingesetzt. In einer Vereinbarung mit dem Amt für Agrarordnung vom 10. Januar 1989 hat der Heimatverein bis zu einer endgültigen Regelung die Unterhaltung des Biotops auf der Kippe in Bergeshövede übernommen.

Das "hölterne Krüz" am alten Fußweg nach Ibbenbüren wurde nach vollständiger Erneuerung am 8. Dezember 1984 wieder aufgestellt. Neben dem Kreuz fand ein großer Findling Aufstellung, der mit einer gußeisernen Tafel versehen wurde, die einen Hinweis auf die Bedeutung des Kreuzes trägt.

Am sogenannten "Schinkenstein" am Hermannsweg im Teutoburger Wald errichtete der Heimatverein 1986 für Wanderer und Spaziergänger eine dreiseitig geschlossene Schutzhütte aus 50 mm starken Blockhausbohlen in der Abmessung von 4,00 m x 2,00 m.

Im Bereich der "Schönen Aussicht", die wegen der in vielen Jahren hochgewachsenen Kiefern keine "schöne Aussicht" mehr vermittelte, tat sich von 1985 bis 1987 einiges. Eine dem Heimatverein gespendete neue Fahnenstange aus nichtrostendem Stahl wurde am 13. April 1985 aufgestellt. Nachdem die Stadt im Rahmen eines größeren Grundstückstausches mit Freiherr Heereman eine größere Fläche der Waldparzelle erworben hatte, wurde das Gelände unterhalb der Schönen Aussicht in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Stadt freigelegt. Der Blick in das Münsterland war wieder frei. Ein Betonsockel für eine Orientierungstafel ist 1987 errichtet worden. Die Tafel wurde in einer Tombak-Legierung in der Firma Wübker gegossen und am 18. März 1988 auf dem Sockel angebracht. Gleichzeitig wurde der Sockel mit Sandsteinplatten durch die Firma Paetzke verblendet.

Der Junggesellen-Schützenverein, die Familiengemeinschaft am Berg, die KAB und der Heimatverein erklärten sich in einer Besprechung am 6. März 1988 zur dringend notwendigen Restaurierung der fünf Kapellen des Kreuzweges bereit. Der Heimatverein übernahm die erste Kreuzwegstation. Erste Arbeiten zur Freilegung der Flächen fanden bereits wenige Tage später statt. Im folgenden Jahr ging es dann mit der Auskofferung des Bodens, der Auffüllung mit Mutterboden und mit der neuen Bepflanzung weiter. Es erfolgte ferner eine neue Ausfugung der Rückwand der Kreuzwegstation und der die Anlage abschließenden Bruchsteinmauer. Die Instandsetzung des Daches erfolgte durch Unternehmer.

Am 15. Mai 1929 startete Robert Kronfeld aus Wien vom Bergeshöveder Berg erfolgreich zum ersten Segelflug der Welt über 100 km. Der Heimatverein hatte in der Werkstatt Paetzke einen Gedenkstein anfertigen lassen und in der Nähe des damaligen Startplatzes am Hermannsweg aufgestellt. In einer schlichten Feierstunde am 62. Jahrestag des Weltrekordfluges, am 15. Mai 1991, wurde der Gedenkstein vom Vorsitzenden des Heimatvereins im Beisein etlicher Riesenbecker Heimatfreunde, des Bürgermeisters der Stadt Hörstel und vieler Vertreter der Segelflugvereinigungen enthüllt. Die in der Fa. Wübker gegossene Gedenkplatte trägt die Inschrift: "Hier startete am 15. Mai 1929 der Wiener Robert Kronfeld zum 1. Langstrecken-Segelflug der Welt über mehr als 100 km. H.V.R."

Im vorerwähnten Grundstückstausch der Stadt mit Freiherr Heereman war auch die frühere Hofstelle Lammers mit den angrenzenden Grundstücken einbezogen. Die Stadt begann 1989 mit den umfangreichen Umbauarbeiten des Wirtschaftsteiles zu einer öffentlichen Begegnungsstätte. Im Zuge dieser Baumaßnahmen ging ein lang gehegter Wunsch des Heimatvereins in Erfüllung. Die Stadt stellte dem Heimatverein zwei kleinere Räume zur Unterbringung des umfangreichen Archivgutes unentgeltlich zur Verfügung und übernahm auch einen erheblichen Teil der Einrichtungskosten.

Die Ausstattung des großen Mehrzweckraumes und des Kaminzimmers mit landwirtschaftlichen Kleingeräten und früherem Hausrat der hiesigen Landbevölkerung erfolgte durch den Heimatverein. Weiterhin erfolgte durch den Heimatverein die Einrichtung des restaurierten Backhauses mit zwei großen Tischen und vier Eichenholzbänken. Die Einweihung der Begegnungsstätte fand am 20. Oktober 1991 statt.

Die Werbegemeinschaft Riesenbeck veranstaltet im Advent an der Heinrich-Niemeyer-Straße einen Weihnachtsmarkt. Hieran beteiligt sich seit 1991 auch der Heimatverein. In seinem Stand bietet er heimatkundliche Literatur und im Steinofen auf Lammers Hof gebackene Brote und Weggen zum Kauf an. Das gleiche gilt für den von der Riesenbecker Werbegemeinschaft 1991 durchgeführten Frühjahrsmarkt. Auch auf dem seit 1994 alle zwei Jahre auf Stadtebene im Wechsel zwischen den einzelnen Stadtteilen stattfindenden Frühjahrsmarkt beteiligt sich der Heimatverein mit einem gemeinsamen Stand der vier Heimatvereine in der Stadt Hörstel.

Die mit erheblichen finanziellen Auswirkungen beabsichtigte Baumaßnahme zur Ausstellung alter landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen war der Grund, eine Eintragung des Heimatvereins in das Vereinsregister beim Amtsgericht Ibbenbüren zu veranlassen. Hierzu bedurfte es einer entsprechenden Ergänzung der Satzung. Die Änderung wurde zum Anlaß genommen, den gesamten Satzungsinhalt zu überarbeiten und den Erfordernissen der heutigen Zeit anzupassen. Die Neufassung wurde in der Mitgliederversammlung am 23. Februar 1991 einstimmig beschlossen. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte am 18. März 1991.

In der Neufassung der Satzung wurde erstmals die Bildung von Fachbereichen, die für die Heimatpflege von Bedeutung sind, verankert. Über die Bildung beschließt die Mitgliederversammlung. In der Versammlung am 23. Februar 1991 wurden bereits folgende Fachbereiche gebildet:

In den folgenden Jahren sind noch folgende Fachbereiche hinzugekommen:

Nach 44jähriger Tätigkeit im Vorstand des Heimatvereins bat der Schriftführer Hans Oechtering darum, wegen seiner Erkrankung und seines Alters in das zweite Glied zurücktreten zu können. Diesem Wunsch konnte sich der Heimatverein nicht entziehen. Mit der Wahl eines neuen Schriftführers in der Mitgliederversammlung am 23. Februar 1991 übernahm Hans Oechtering das Amt des stellvertretenden Schriftführers, das er bis 1997 ausübte. Seine über 50jährige Vorstandstätigkeit würdigte der Heimatverein mit der Überreichung eines mit einer Gravur versehenen Zinntellers.

Für die Besucher, Gäste und Urlauber unseres Ortes errichtete der Heimatverein im Jahre 1992 auf dem Grundstück der Sparkasse an der Ortsdurchfahrt eine dreiteilige Informationstafel. Die mittlere Tafel enthält die wichtigsten Daten der Ortsgeschichte. Auf der linken Tafel sind die Freizeiteinrichtungen und Sehenswürdigkeiten des Ortes aufgeführt. Die rechte Tafel wird für Hinweise auf Veranstaltungen genutzt.

Die 1992 gegründete Jugendgruppe unter der Leitung von Jörg Echelmeyer und der Unterstützung durch Michael Grüter konnte bereits im folgenden Jahr eine große Auszeichnung in Empfang nehmen. Aufgrund ihrer vielfältigen Aktionen in den 14tägigen Gruppenstunden erhielt sie am 20. Dezember 1993 den 1. Preis im Umweltwettbewerb der Stadt Hörstel "in Würdigung des vorbildlichen Einsatzes für die Belange des Umweltschutzes".

Das 70jährige Bestehen des Heimatvereins wurde zwar nicht groß gefeiert, aber auch nicht vergessen. Da die Familiengemeinschaft am Berg im gleichen Jahr auf 75 Jahre zurückblickte, feierte der Heimatverein zusammen mit ihr am 19. Juni 1994 auf der Schönen Aussicht mit Pfarrer Exler ein plattdeutsches Festhochamt. Dieses wurde musikalisch mitgestaltet von der Feuerwehrkapelle und den Alphornbläsern aus Mettingen. Der plattdeutsche Gottesdienst fand wie immer eine große Resonanz.

Am 21. Februar 1995 jährte sich zum 50. Mal der Bombenangriff auf Riesenbeck, bei dem 20 Personen, fast ausnahmslos Riesenbecker Einwohner, darunter 10 Kinder, den Tod fanden. Nach einem Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche hatte der Heimatverein die Angehörigen der Bombenopfer zu einem gemeinsamen Frühstück in die Riesenbecker Begegnungsstätte eingeladen.

Ungleich umfangreicher waren die Vorbereitungen zur Gedenkfeier für die bei den Frontkämpfen Anfang April 1945 gefallenen deutschen und britischen Soldaten. Zum 50. Jahrestag dieser schweren und verlustreichen Kämpfe im Teutoburger Wald hatten der Bürgerschützenverein St. Hubertus Birgte und federführend der Heimatverein eine Gedenkfeier vorbereitet, die am 22./23. April 1995 stattfand. Hierzu waren die Angehörigen der auf dem Brumleyfriedhof bestatteten deutschen Soldaten und die damaligen Teilnehmer der Kämpfe nach Riesenbeck eingeladen. Über 100 Gäste aus allen Teilen Deutschlands fanden sich zu dieser Gedenkfeier ein, die einmalig im ganzen Umkreis war. Über 300 Besucher zählte die Gedenkfeier auf dem Brumleyfriedhof, von der alle tief beeindruckt waren und die einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Leider hatten die Einladungen an die damaligen britischen Verbände wohl nicht die richtigen Adressaten gefunden, denn hier blieb eine Antwort aus. Dem Gedenken auf dem Brumleyfriedhof schloß sich ein Beisammensein der Gäste in der Begegnungsstätte an. Bei dem Empfang am folgenden Sonntagmorgen durch die Stadt Hörstel zeigten sich die Gäste stark beeindruckt von diesen Tagen in Riesenbeck. Sie würden nicht nur beklemmendes, sondern auch angenehme Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Eine vom Heimatverein erstellte Broschüre "Riesenbecker Gedenken" enthält die Ansprachen bei der Gedenkfeier sowie sieben Erlebnisberichte deutscher Zeitzeugen und Auszüge aus Veröffentlichungen britischer Streitkräfte in deutscher Übersetzung.

Der vor einigen Jahren aufgegebene musikalische Dämmerschoppen im Freizeitpark wurde - wenn auch in abgewandelter Form - wieder aufgegriffen und als Riesenbecker Heimattag am 16. Juli 1995 mit gutem Erfolg in den Anlagen der Begegnungsstätte durchgeführt. Fortan findet der Heimattag alljährlich statt, in den folgenden zwei Jahren in Verbindung mit dem Richtfest und der Einweihung des Landmaschinen-Museums.

Ein sauberes Ortsbild ist das Aushängeschild einer jeden Gemeinde. Zugleich dient es dem Umweltschutz, mithin zwei Bereiche, für die sich auch der Heimatverein einsetzt. "Er hat ferner seine Aufgabe in der Erhaltung und Pflege der Landschaft und des Ortsbildes" heißt es in der Vereinssatzung vom 21. Februar 1991. Auf Anregung des Heimatvereins findet alljährlich seit 1996 der "Tag der sauberen Landschaft" statt, an dem sich neben dem Heimatverein weitere Riesenbecker Vereine beteiligen. Zuvor hatte bereits seit etlichen Jahren die Kolpingsfamilie alljährlich die Säuberung des Hermannsweges durchgeführt. Durch diese Säuberungsaktionen hat der Müll an den Straßen, Wegen und Pättkes wohl nicht mehr zugenommen, aber von einer "sauberen Landschaft" ist man immer wieder weit entfernt. Deshalb werden diese Säuberungsarbeiten auch weiterhin Bestandteil des Jahresprogrammes des Heimatvereins bleiben.

Ein ehrgeiziges Projekt steht seit 1994 im Mittelpunkt der Arbeit des Heimatvereins, wenngleich dabei die üblichen Veranstaltungen des Jahres wie Winterwanderung, Radtouren, plattdeutsche Gottesdienste und Leseabende, Weihnachtsmarkt, Winterveranstaltung, Wartung der Ruhebänke und der sonstigen Einrichtungen des Heimatvereins nicht vernachlässigt werden. Es war die Idee, alte landwirtschaftliche Geräte, Maschinen und Fahrzeuge zu sammeln und eine Ausstellungsmöglichkeit zu schaffen.

Erste Fühlungnahmen mit der Stadt gehen in das Jahr 1991 zurück. Im Zusammenhang mit dem Erwerb der Hofstelle Lammers war zunächst vorgesehen, den kleinen Bruchsteinschuppen um eine Remise zu erweitern. Doch schon bald wurde deutlich, daß eine solche Remise für die dem Heimatverein angebotenen alten Gerätschaften viel zu klein war. Als dann nach der Aussiedlung des Hofes Eggert der Abbruch eines großen Bruchsteinschuppens anstand, wurde die Gelegenheit genutzt, die Stadt mit Schreiben vom 20. November 1991 um Überlassung der noch verwertbaren Bausubstanz, insbesondere der Bruchsteine und der Dachziegel, zu bitten, um den Schuppen auf dem Gelände der Begegnungsstätte als Ausstellungsscheune in den Abmessungen von 15 m x 20 m wieder aufzubauen. Die Stadt stand diesem Wunsch wohlwollend gegenüber und stellte dem Heimatverein die Bruchsteine und die Dachziegel sowie das Bauholz, das später leider nicht mehr zu verwerten war, unentgeltlich zur Verfügung.

Es gingen aber noch zwei weitere Jahre ins Land, ehe der Verein wegen der nach Verhandlungen mit dem Amt für Denkmalpflege in Münster erst im Herbst 1993 erteilten Baugenehmigung und des bevorstehenden Winters im Frühjahr 1994 mit den Arbeiten beginnen konnte.

Der erste Spatenstich wurde mit der Erstellung der 50 cm starken Fundamente am 15. März 1994 getan. Danach aber zeigte sich, daß das Bauvorhaben durch eine uneigennützige Mitarbeit der Vereinsmitglieder nicht zu verwirklichen war, da die erforderlichen Maurer nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung standen. Auch fehlte es an entsprechendem technischen Gerät. Es erfolgte deshalb die Vergabe der Bauarbeiten an hiesige Unternehmer. Im Frühjahr 1995 errichtete die Firma Michel die "Innenschale" aus Kalksandstein. Nach längeren Bemühungen erklärte sich die Firma Paetzke bereit, das aufwendige Verblendmauerwerk aus den schweren Bruchsteinen zu erstellen, jedoch unter der Voraussetzung, daß der Heimatverein zwei "Handlanger" stelle. Das war ihm aber nicht möglich, da während der betrieblichen Arbeitszeit der Firma nur Rentner zur Verfügung standen. Diesen konnte man aber die schweren körperlichen Arbeiten nicht mehr zumuten.

Verhandlungen mit dem Arbeitsamt Rheine wegen einer "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme" (ABM) waren letztlich von Erfolg gekrönt. Mit Bescheid vom 7. Mai 1996 wurde dem Heimatverein die beantragte ABM für die Dauer von drei Monaten bewilligt. Damit konnte die Firma Paetzke nach einjähriger Unterbrechung der Bauarbeiten mit dem Verblenden des Schuppens beginnen und diese auch innerhalb des Bewilligungszeitraumes der ABM beenden. Auch die Zimmererarbeiten überstiegen die Kräfte des Heimatvereins. Nach einer beschränkten Ausschreibung wurde der Auftrag an die Firma Bringemeyer in Ibbenbüren erteilt. Der Dachstuhl wurde von ihr fristgerecht erstellt, so daß am 14. Juli 1996 das Richtfest gefeiert werden konnte.

Von nun an waren die Unternehmerleistungen bis auf die Elektroinstallation passé. In Eigenleistung erfolgten die Verbretterung der Giebel, das Einsetzen der Gußfenster, die Anfertigung und der Einbau der vier großen Tore, das Aufnageln der Dachlatten und die Dacheindeckung, die Verlegung der Pflasterklinkersteine als Bodenbelag, die Verlegung der Abflußleitungen, die Zuwegung zum Schuppen und zuletzt die Anlegung einer Bruchsteinmauer mit einer Sitznische mit einem Tisch und zwei Bänken. Diese Arbeiten nahmen etwa ein Jahr in Anspruch.

Zeitgleich wurden die über 100 Ausstellungsstücke gesäubert, die vielfach durch eine Abstrahlung und einen Schutzanstrich in der Firma Niemeyer erfolgte. Vollständig eingerichtet erfolgte am 13. Juli 1997 in Verbindung mit dem 3. Riesenbecker Heimattag im Beisein von Vertretern der beiden Kirchen, der Stadt Hörstel, der Unternehmer und des Kreisheimatpflegers Josef Hüser aus Emsdetten die feierliche Einweihung der Ausstellungsscheune, in dem das Landmaschinen-Museum untergebracht ist.

In der Festansprache des Kreisheimatpflegers würdigte dieser die gewaltige Arbeit der Heimatfreunde in den letzten Jahren. Völlig uneigennützig seien viel Arbeit, Freizeit und auch finanzielle Mittel geopfert worden, um die Idee zu verwirklichen und das schöne Werk entstehen zu lassen.

Nicht unerwähnt bleiben darf die öffentliche Förderung dieses Bauvorhabens mit einem Gesamtbetrag von 80.000 DM. Hinzuzurechnen ist auch die unentgeltliche Überlassung der Bruchsteine und Dachziegel durch die Stadt Hörstel. Ohne diese Unterstützung und erhebliche Spenden wäre eine Verwirklichung dieses Projektes trotz der enormen Eigenleistung der Heimatfreunde nicht möglich gewesen. Deshalb ein herzliches Dankeschön an alle, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben. Das Landmaschinen-Museum ist in der Zeit von April bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr und darüber hinaus nach Vereinbarung geöffnet.

Aus dem Kreis der vielen freiwilligen Helfer beim Bau des Landmaschinen-Museums bildete sich im nachhinein eine Rentnertruppe, die sich an jedem Montagnachmittag zu Arbeitseinsätzen trifft. Der vorhandene kleine Schuppen auf dem Gelände der Begegnungsstätte wurde entrümpelt, gesäubert und ein neuer Fußboden mit Pflasterklinker angelegt. In dem Schuppen wurde eine Werkstatt eingerichtet, in der die vielfältigen Arbeiten vorbereitet und durchgeführt werden können. So wurde z.B. eine arg lädierte und nicht mehr funktionsfähige Holzschuhmachermaschine in vielen Stunden wieder einsatzfähig hergerichtet. Begonnen wurde mit der Herstellung von kleinen Holzschuhen als Souvenir. Der Rentnertruppe obliegt ferner die Unterhaltung der annähernd 90 Ruhebänke sowie der sonstigen Einrichtungen und Anlagen des Heimatvereins.

Der Heimatverein hat in seinem Jubiläumsjahr 520 Mitglieder und weitere 20 Mitglieder in der Jugendgruppe.

In den 75 Jahren seines Bestehens sind die Aufgaben des Heimatvereins unverändert geblieben, wenngleich sie auch dem Wandel der Zeit unterliegen. Er setzt sich für das Wohl und Ansehen Riesenbecks und seiner Bewohner ein. Forderungen der Gegenwart wie Umweltschutz, Pflege des Landschaftsbildes und der Kulturdenkmäler sowie Förderung des Fremdenverkehrs hat unser Verein schon seit seiner Gründung vor 75 Jahren stets erfüllt. Der große Aufgabenkreis ist eine Herausforderung für den Heimatverein. Er wird sich diesen Aufgaben auch in Zukunft stellen.

Die Verse von Karl Wagenfeld stehen wie ein Leitbild über seiner Arbeit:

Un an de Saot, we ick häff saiht, wann se äs bleiht, sick änn're freit. Dat is mi noog!